Montag, 1. Oktober 2007

Kleider ordnen - internationale Dresscodes

DU BIST, WAS DU TRÄGST:
WAS INTERNATIONALE DRESSCODES UNS ERZÄHLEN

Vor einer viertel Stunde bin ich gelandet. Exit – zum Ausgang. Milchige Glastüren öffnen sich. Auf vieles war ich vorbereitet - aber nicht auf das jetzt:  Aus tausend dunklen Augenpaaren werde ich angestarrt.  Bis zum Taxi muss ich mich durch ein dichtes Menschen-Spalier bewegen, vorbei an weißen wallenden Gewändern der Männer und den schwarzen Kutten vereinzelter Frauen. Sie alle gehören zum Sultanat Oman, dem südlichsten Zipfel der Arabischen Halbinsel. Da gehe ich nun und kann nicht anders: „Allah, bitte, schick mir einen dieser unförmigen Umhänge oder wenigstens ein Kopftuch!“ Denn plötzlich spüre ich Nacktheit, eine,  die ich als Ausgeliefertsein  bezeichnen möchte.   

Ausgeliefert in eine völlig andere Welt. Nichts Alltägliches für mich. Also her mit dem Knigge für Nichtmoslems! Ich staune.  Wichtigstes Kapitel: Die Kleiderordnung. Bis zu dieser Flughafen-Glastür fühlte ich mich in unauffälligem Hosenanzug durchaus korrekt gekleidet, Arme und Beine sittsam bedeckt.
Trotzdem ist jetzt zweifellos Befangenheit  mein Mitbringsel.  Ich bin beruflich viel unterwegs,  lande in Ländern,  in denen Modediktate italienischer Edelschneider oder spanischer Konfektionsketten Modernität, Sportlichkeit oder Seriosität signalisieren wollen, die sogar in  gewisser Weise völkerverbindend entworfen werden - aber für welche Völker? Für die Besserverdiener von Berlin, Singapur, von Tokyo, von Madrid, Moskau,  New York,  London, Paris oder von Rom?  Und ich da zuweilen mitten drin, zweifellos jedes Mal neu verunsichert: Ich bin Deutsche, mir hängt in Geschmacksfragen ein schlechter Ruf an,  besonders in Sachen Mode.  Stimmt, denn häufig treffe ich meine Kleiderauswahl nach praktischen Aspekten, ganz im Gegensatz und zum Entsetzen meiner romanischen Freundinnen.  Die Trendsetter-Rolle liegt mir nicht so, eher die Stimmungslage:  Ist mein Dekolleté tief, mein Rock kurz, nenne ich es Freizügigkeit, sogar Befreiung.  Es kommt auch  vor, dass ich mich modisch wegducken möchte. Dann beneide ich so manche die Araberin unter ihrem weiten Gewand, die schöne Inderin, die nie ihre Beine zeigen wird (wohl aber ihren Bauch) oder die traditionelle Koreanerin, die ihre Hände versteckt hält.  Aber ob das alles auf Männer anziehend wirkt, ob meine Bekleidung  irgendeiner Tradition oder Moralvorstellung entspricht, darüber habe ich bisher nie nachgedacht.

Hier im tropischen Reiseziel angekommen, ist es auf einmal so weit: Nachdem mich der klimatisierte Airport-Bereich freigegeben hat, haftet nicht nur mit jedem Schritt meine europäische Robe feuchter an mir, ich empfinde obendrein jeden Blick als stechend. Man scheint mir mit den Augen zu folgen bis ich im Taxi verschwunden bin. Was ich in diesem Land will, ist nicht zu erkennen, und mit meinem unbedeckten Haar bin ich wohl schon ein beachtlicher Reizfaktor. Unsicher gehe ich voran.   Sind diese fremden Blicke interesseloses Wohlgefallen oder gar Skepsis gegenüber dem Auftreten einer westlichen Frau?

Diese Frage ist eine an die andere Kultur. Eine tückische Frage, denn sie entzieht sich raffiniert der  genauen  Beantwortung. Befinden wir uns beim Thema Kultur-Annäherung noch immer bei unseren tausendjährigen Vorfahren?

Nur einige Flugstunden von Berlin entfernt, gilt mein dunkler Hosenanzug als  „Männerkleidung“ – laut Islam-Knigge bin ich nun  eine der ernstesten Bedrohungen islamischer Rechtgläubiger. „Frauen dürfen keine Männerkleider tragen; denn der Prophet verfluchte Frauen, die sich wie Männer kleideten: Werft sie aus euren Häusern“!  Ich blättere im „Hidjaab, der Kleiderordnung der Muslimischen Frau nach Quran und Sunnah“ und bin baff. Dieses Druckwerk schreibt doch tatsächlich den Frauen  in allen Einzelheiten vor, wie sie sich außerhalb des Hauses zu bewegen haben. Begründung?  „Die islamische Frau muss vor den Blicken fremder Männer geschützt  werden, weil eine Frau ohne Hidjaab, die Männer-Blicke auf sich lenkt und dies zu niedrigen Motiven und Begehren der Männer führen kann.“

Folglich geht es bei der Verhüllung der Frau immer um den Mann? Seinetwegen, seines Triebes wegen, seiner frivolen Gelüste wegen müssen meine moslemischen Schwestern in Sack und Asche gehen, müssen bei tropischen Temperaturen unter ihren schwarzen Stoffen wie in einer finnischen Sauna schwitzen? Sind Osteoporose –und Rachitisgefährdet, weil kein Sonnenstrahl, kein Vitamin D, ihre Haut trifft.  Ich versuche mich  immer wieder in diese bizarre Denkweise hineinzuversetzen. Es will mir nicht gelingen. „Stellt Eure Reize nicht heraus wie in der früheren Zeit der Unwissenheit“  (Sure 33.33) befiehlt der Koran.  

Welche Zeiten sind gemeint? Jene im Paradies, als unsere Urahnen  splitterfasernackt und ungeniert zwischen den Apfelplantagen umher irrten, und zwar solange, bis Eva ihren Adam verführte, vom Baum der Erkenntnis zu naschen. Gemäß Altem Testament ist SIE  durch diese erste Sünde für das Unheil und die Mühsal der gesamten Menschheit verantwortlich. Von Stund an begann sich das erste Menschenpaar zu schämen: „Wo verstecken, wie bedecken“?  fragten sie bange. So startete der Mode-Stress. In ihrer jähen Not griffen die beiden zum nächst Besten: zum Feigenblatt,  später zum Fellmäntelchen.

„Frühere Zeiten der Unwissenheit?“ Oder sind die antiken Zeiten, die der griechischen Mythologie, gemeint, als viele starke Göttinnen den Männern Beine machten? Was wissen wir noch von der Macht der Göttinnen Hera, Hestia, Gaia, Hemera oder Eurybia, von Athene und Aphrodite? Das müssen echte Power-Weiber gewesen sein, so herkulisch,  dass sich  – der Verdacht liegt nahe - die Männerwelt mit der Erfindung neuer patriarchalischer Religionen an ihnen rächen wollte? Denn – eigenartig - allen drei Religionen des Buches, Judentum, Christentum sowie der Islam,  pflegen oder pflegten Frauen-Unterdrückung. Sie wurden versteckt und bedeckt, kurz: Es entstand eine finstere Geschlechterbeziehung. Apostel Paulus hatte befunden, dass der Mann Abbild Gottes sei, die Frau hingegen nur Abbild des Mannes, sie müsse deshalb ihren Kopf bedecken. Zu Mohammeds Zeiten diente der Schleier der sozialen Abgrenzung und war Frauen aus privilegierten Kreisen vorenthalten. Erst langsam avancierte er zu einem hochaufgeladenen Textil.

Andererseits wirkten die verhüllten Musliminnen auf damalige Kolonialherren  höchst reizvoll. Gleichzeitig wurden daheim  die exotischen und erotischen Schönheiten – vielleicht als verkappte Lobeshymne auf die keusche westliche Frau des 19. Jahrhunderts - verurteilt.  Alle in puritanischen Zeiten verbotenen Handlungen wurden – zuweilen auch als Phantasie -  in die ganz andere Welt, in die des Orients, verlagert.
Rada Ivekovic,  kroatische Philosophin, formuliert das so: „Im Westen gehören zu den Hauptmodellen des Anderen der Orient, der Islam und die Frauen. Und auf jenes Andere wird alles Negative projiziert.  

Es ist vorgekommen, dass durch westliche Schwerenöter  die Orientalinnen damals gezwungen wurden, den Schleier abzulegen, damit ihre voyeuristischen Maler und Fotografen Harem-Bilder mit halb nackten Damen produzieren konnten. Das gehört zu einer der vielen schlechten  Erfahrungen  mit der Präsenz des Abendlandes. Sie prägen das gesamte gesellschaftliche Leben in den postkolonialen Staaten der Arabischen Welt, wobei die radikale Rückbesinnung auf  die islamische Kultur eine wichtige Rolle spielt.  Geschlechterspezifische Konflikte bleiben tabuisiert.  Formen des Widerstandes, die es in den 1300 Jahren der Geschichte des Islams gab und an denen Frauen aktiv beteilig waren, werden bis heute ignoriert.

„Die Bedeckung mit Kopftuch und Mantel hebt die Gleichheit der Schwestern im Islam hervor und entlastet vom Leistungsdruck weiblicher Schönheitskonkurrenz“, schreibt die ägyptische Wissenschaftlerin Fadwa El Guind.  Konkurrenz unverwünscht? Die Ägypterin erklärt weiter: Das zentrale Motiv sei,  durch eine  bescheidene und anständige Kleidung der Muslima dem Willen Gottes zu entsprechen.  So stehe die Muslima ganz im Gegensatz zu verwestlichter Kleidung die mit schamloser Entblößung und damit einer Entwürdigung der Frau verbunden werde, meint die Ägypterin.

Aber gerade im chaotischen Kairo werden, so wie ich’s sah, die Kleidervorschriften nicht extrem streng gehandhabt, ebenso in Tunesien, in Algerien, Marokko oder dem Libanon.
Unterhalb der Corniche von Beirut habe ich im Hochsommer badende Mädels beobachtet, über denen sich ein stattlicher Stoff-Ballon blähte, als sie in voller schwarzer Moslem-Montur inklusive Kopftuch zu schwimmen versuchten. Danach  entstiegen wie  ein nasser Kartoffel-Sack dem Mittelmeer.  Indessen räkelten sich unbekümmert gleich nebenan am Pool des Hilton-Hotels von der Sonne gegerbte Bikini-Beauties libanesischen Urprungs. Welch ein Kontrastprogramm der Mode! Und die verrät einiges über die Gesellschaft, ihre Konventionen, ihre sozialen Verhaltensweisen

Vom Flugplatz fahre ich per Taxi  zur Sultan Qaboos Universität ausserhalb der Hauptstadt Maskat im Oman. Es ist das  Musterland der streng Arabischen Welt in Sachen Reform und Frauenrechten, denn die meisten Omanis gehören einer Art „Dissidenten-Islam“ an, den Ibaditen.  Jedes Kind geht zur Schule, und die Hälfte der Studenten sind Frauen. „Jede Studentin darf sich nach ihrem Geschmack kleiden“, empfängt mich die freundliche Presse-Sprecherin Fawzia, „Alles ist erlaubt – mit einer Ausnahme:  Die Verschleierung ist verboten, denn zu viele wurde bei Prüfungen unter dem schwarzen Tuch gemogelt.“ Weibliche und männliche Studenten sitzen bei uns im selben Hörsaal, das ist ein Fortschritt bei der sonst strengen Geschlechter-Trennung.  Männer vorne,  Mädels hinten“.

Diese Begegnung  stärkt mein eigenes Selbstbewusstsein. Bei der nächsten Einladung zum privaten coffee-morning zu Fatma, der Koran-Lehrerin,, trage ich ein  Kostüm nach westlichem Schnitt -  meine Beine sind sichtbar.  Aber Sehen scheint auch hier Sünde zu sein, selbst da, wo sich ein Frauen-Zirkel trifft.  Fast  alle tragen ihre schwarze, langen Abayas plus Kopftuch. „Eine gut sitzende Abaya  muss so lang  geschnitten sein, damit sie beim Laufen die Schritt-Spuren der Trägerin verwischt, so dass ihr kein Mann folgen kann.

Alle in bedrohlichem Schwarz. Hat ein Kloster Ausgang? Und doch findet hier Mode statt. Fast unsichtbar für mich.  Die Damen beginnen, die winzigen Unterschiede ihrer Abayas gegenseitig zu bewundern,  die kunstvollen Hohlsäume, die gestickten Blüten oder die goldenen Borten. Das alles hat mein Kostüm  nicht zu bieten. Unsicher realisiere ich, dass die Anwesenden mich taxieren, mein schlichtes Äußeres einzuordnen versuchen,  meine Beine bemerken. Irgendwann fasse ich mir ein Herz: „Warum seid Ihr hier unter uns und bei dieser Hitze so schwarz  eingepackt?“  – „Schwester, wir fühlen uns wohl. Außerdem sind wir nicht sicher,   ob vielleicht der Gärtner das Haus betritt.“

„Jede Kultur hat andere Tabus: Im islamischen Orient wird alles Leibliche schamhaft  im Haus beziehungsweise unter Hüllen versteckt, während  das Schlachten und Opfern öffentlich geschieht; im Okzident  wird das Schlachten von Tier-Leibern ins Schlachthaus verbannt, während alles Leibliche freizügig zur Schau getragen  wird...“ so hat die Wiener Künstlerin Sini Coreth die kolossalen Kultur-Unterschiede in einer ihrer verblüffenden Video-Installationen auf den Punkt gebracht.

Wenn zur Kultur eines Volkes seine Selbstdarstellung, seine bildliche Omnipräsenz, gehört, dann steckt der feminine Teil der islamischen Länder – freiwillig oder unfreiwillig - seine Intimsphäre, seine Scham sehr weiträumig ab. Viel weiter als in der Gegenwelt, der Welt des Westens:

Als Samia, die Studentin der Tourismus-Akademie des Sultanats Oman, in einem Berg-Dorf herangewachsen, vor einem Jahr bei mir in Berlin ankam, in meine vertraute, ihr jedoch unbekannte Welt eintrat, in eine Welt,  die ihre Zivilisation, ihre Art der gesitteten Bekleidung nicht anerkennt,  als minderwertig,  als Mode-Muff oder sogar als Freiheitsberaubung abtut, war sie schockiert.

Erst mit ihr zusammen  gerät der Gang durch eine mir sonst vertraute deutsche Fußgängerzone zur seelischen Tortur.  Durch ihre orientalische Optik  bemerke ich plötzlich die vielen  prallen Popos in hautengen Hosen, die knappen shirts sowie die zu kurzen skirts“. Samia kommentiert höflich: „Bei Euch läuft der menschliche Umgang über ganz andere Signale als in meiner Heimat ab.“  Erstaunlich!  Unsere „freiheitliche“ Alltagswelt ist für Samia wie ein pulsierender Porno-Poster, auf dem sich die Geschlechter inszenieren. Sie formuliert es noch deutlicher:  „Mein Gott, so viel Prostitution in Eurer Stadt – alle Frauen so leicht zu haben...“  

Das hat sie anfangs enorm verwirrt, sie fühlte sich schutzlos, ausgeliefert. Langsam begann ich zu ahnen, dass Samias schwarze Verhüllung für sie selbst eine doppelte Funktion hat: Nach außen geschlechtsneutralisierend, nach innen geschlechtsbetonend. „Meine korrekte Kleidung ist für mich ein Befehl Gottes. Ich will nicht durch meine Weiblichkeit wirken, sondern durch meine inneren Werte. Damit fühle ich mich geborgen und damit werde ich in meinem Dorf -  auch in der Universität - von den Männern respektiert.  Ich glaube, deshalb hat Gott diese spezielle Kleidung uns Muslimas befohlen“.  Nach und nach begriff  Samia, dass sie in Berlin nicht bei jedem unverhüllten Hals oder Kopf einer Vergewaltigung ausgesetzt ist.

Zurück in Samias Heimat: Als ich dort nach Tagen meine Reise beende und  wieder am Ausgangspunkt, also am Flugplatz, eintreffe,  befindet sich neben mir der weibliche Part  einer jemenitischen Familie. Die Herren sitzen weit abgesondert in ihren weißen Dishdashas,  darüber die typische zerbeulte Anzugjacke samt kunstvoll ziseliertem Krummdolch im Gürtel – malerische Gestalten. Sie tun so,  als hätten sie mit dem Rest der  weiblichen Verwandtschaft  in ihren beklemmenden Stoffmassen  nichts zu tun.

 „Meine Tochter Bilqis wird Zahnärztin, sie ist sehr schön“, sagt die Mutter durch ihren Gesichtsschleier hindurch und deutet neben mir auf etwas, das ein Lebewesen sein könnte.  Es befindet sich unter einem blickdichten Zelt.  -  „Wirklich?“ – „Ja, weil sie so schön ist, darf sie kein Mann sehen“. -„Aha?“   Wieder wendet sich die Mutter an mich und fragt: „Schwester, warum bist Du eigentlich nicht verhüllt? Du siehst doch gar nicht so schlecht aus?

Heidemarie Blankenstein,
 zurück aus Maskat/ Oman 2007

 Erschienen im Magazin  KULTURAUSTAUSCH  Oktober 2007




Freitag, 17. August 2007

Mitten im Leben vom Krieg umgeben - Der Hauch von Normalitaet


Regnet es in Kabul, überspülen Plastiktüten, Aas  und  Dreck die Gassen.  Das unterscheidet  Afghanistan nicht von  anderen  Ländern dieser Erde, deren Abwasser- und Abfallentsorgungen offen am Wegesrand verlaufen. An solchen Tagen haben es die alten Männer in ihren Sandalen schwer, wenn sie sich mit hoch beladenen Obstkarren in Richtung Markt abmühen. Immer wieder versinken sie in den schlammigen Fahrrillen.

Rillen, die auch unser Geländewagen zieht, in dem wir ins 30 Kilometer entfernte Bergdorf Paghman wollen.  Wir – das sind der afghanische  Fahrer Mr. Nasr, ein Beamter des afghanischen Außenministeriums, mein Mann und ich – alle völlig unbewaffnet, aber mit einem kleinen deutschen Aufkleber an der Tür, auf  einen gewissen guten deutschen Ruf in dieser Weltgegend, auch auf unsere Unauffälligkeit hoffend. Wir unterscheiden uns jedenfalls  sehr von den  ISAF (International Security Assistance Force in Afghanistan) – Spähtrupps, die Autorität und Aktivitäten der legitimen afghanischen Regierung absichern sollen. Sie hocken,  schusssicher gewappnet,  hoch oben auf  tarnfarbenen Schützenpanzerwagen  hinter  Maschinengewehren  und versuchen  wild  gestikulierend,  den  chaotischen Kabuler Verkehr auf Abstand zu halten. Das gelingt meistens nicht. Schon manchmal hat sich bei diesen Patrouillen  ein nervöser Schuss gelöst. Jetzt  muss die Bevölkerung (die zu einem hohem Prozentsatz nicht lesen kann)*  rote Warnschilder an den Militärfahrzeugen  beachten: „30 Meter Abstand halten!“
Und das in einer  pulsierenden Millionen-Stadt, die am Verkehrs-Chaos  zu ersticken droht, weil ihre Haupt-Adern  durch die monströsen Beton- und Sandsackbarrikaden  zum Schutz des ISAF-Hauptquartiers, der weitläufigen Anwesen von US-AID, der CIA  sowie der Botschaft der USA und des Präsidentenpalastes  rücksichtslos durchtrennt sind.   

Endlich erreichen wir die Ausfallstraße nach Westen.          (  * etwa 80  %)

Ernst und aufmerksam stehen  Kinder am Straßenrand und wollen Tomaten verkaufen. Wie weit mag ihr Weg sein, den sie barfuß und schwer beladen gehen müssen, bis sie zur Hauptstraße kommen? Bis hierher, wo die Autobesitzer, die Gewinner also,  flüchtig vorbeirollen. Sind wir, die Fremden, Teil ihres Sehnens? Wir halten bei einem. In wenigen Minuten sind wir umringt von zirka zwanzig kleinen Händlern. Ihre abgemagerten Körper bedecken entweder  Pyjamas, ähnlich der alten Taliban-Zwangs-Kleidung, oder verschlissene Hosen – nur von einer Schnur gehalten.
Ich sehe in Kindergesichter mit tiefen Falten um den Mund und Tränensäcken unter den Augen, und dann kaufe ich Tomatenmengen, die bis zum Jahresende ausreichen.  Sie bedanken sich überschwänglich - und schon sind wir aus ihrem Gesichtskreis verschwunden. Zu schnell. Die Straße steigt leicht in Richtung Gebirge, verbessert ihren Belag sogar bis zur kompletten Asphaltierung. „Wir durchqueren jetzt  zwei Stammesgebiete,“ erklärt unser afghanischer Außenamts-Beamter „deren Kommandanten, Abu Sayaf und Mullah Esat, zwar Nachbarn sind, aber keine Freunde. Auch im Jahr des Herrn 2007 und im Jahr des Propheten 1386 bekriegen sie sich, jetzt allerdings vorwiegend mit politischen Mitteln. Es geht immer um Macht, nicht um Frieden.“ Komplexe, deren innerer Zusammenhang  uns Ortsfremden kaum erkennbar ist.

Erkennbar sind plötzlich in der Ferne zwei querstehende Pkws. Versperren die etwa unseren Weg?  Unser Wagen  nähert sich vorsichtig.  Die Behinderung löst sich zwar auf, aber sie nimmt uns in die Zange: Ein Wagen fährt vor uns, der andere verfolgt uns von hinten. In jedem erkenne ich vier finstere Gestalten in Militärklamotten. Sie halten  Kalaschnikoffs  zwischen den Knien. „Das war’s dann wohl“, denke ich, während sich unser afghanischer Freund fürsorglich nach meiner Angst erkundigt.  Eine Angst, die über diese Straße heranrollt, zielgerichtet bei mir ankommt und sich ganz dicht an meinen Nerven festsetzt.
Entführung hier und jetzt? Und dann noch selbst verschuldet? Nach der Entführung dreier Deutscher und dem traurigen Tod dreier deutscher Polizisten dürfen sich Botschaftsmitarbeiter, auch Militärs nur unter Einhaltung strengster – fast selbstquälerischer-  Sicherheitsregeln aus ihren Festungen herauswagen. Wir haben das ignoriert.

„Die Menschen sehen in dieser Gegend alle so aus“, höre ich den Freund  aufmunternd sagen. Misstrauisch beobachte ich unsere Eskorte.
In Paghman angekommen, parkt die einfach vor einem Tor. Wollten diese acht Afghanen wirklich nur an diesem Nachmittag bei ihrer Verwandtschaft bewaffnet Tee trinken?
Sollte auch  mir -  bei der allgemeinen  aufgeregten Fokussierung auf Afghanistan -  jegliches  Augenmaß  verloren gegangen sein? Kommt es nicht rund um den Globus  täglich zu Kriminalität? Da wird zur Durchsetzung sozialer oder politischer Anliegen gemordet und  erpresst -  nicht nur am Hindukusch. 

 Sieben Jahre hatten die Russen versucht, Paghman, das Paradies Afghanistans, einzunehmen. Während der Fahrer den Vierradwagen weiter hinauf  in die Berge quält, schwärmt unser Begleiter:  „Diese Gegend hier war voller blühender Gärten und fruchtbarer Felder. Sie war die exquisite Sommerfrische der Hauptstädter“. Meine Angst löst sich in Staunen auf: Ich höre einen rauschenden Bach, das Geklapper von Teegeschirr, ich schnuppere Bergluft, vermischt mit gegrilltem Kebab und sehe ringsherum Männer, die anstelle von Waffen  dicke Lavendelsträuße tragen. Unter schattigen Bäumen liegen Teppiche und  Polster, die zum Verweilen einladen.

Wir verweilen nicht lange. Unsere Fahrt geht weiter zum Kargha Stausee. Wieder erreichen wir ein ehemals stark umkämpftes Gebiet, geschundenes Land, - ich meine zu träumen -  in einen Golfplatz verwandelt. Seine Greens bestehen aus ölgetränktem Sand, während der gesamte Platz  ein Gemisch aus Gestrüpp und Geröll ist, aber – wie uns versichert wird – von  Minen geräumt.  Also wagen wir einige Abschläge und schauen uns im „Golf-Club“ um. Wir spüren einen  Hauch von Normalität, der unserem Afghanistan-Bild aus einem Gebirge von Gefahr und Trostlosigkeit  nicht ganz entspricht.

Es dämmert, aber immer noch  fahren über den riesigen See  Motor- und Tretboote gemächlich dahin. Manche Männer baden oder angeln sogar. Eine beschauliche Stimmung. Keine Sandsackbarrikade versperrt den Blick. Als wir zu frischem Kebab und duftendem Fladenbrot eingeladen werden, platziert der freundliche Kellner etwas Geheimnisvolles,  in einer schwarzen Plastiktüte versteckt,  mitten auf unseren Tisch. Neugierig packen wir aus: Wieder so eine Fatahmorgana in einem islamischen, alkoholfreien Land: Echtes Heineken Bier!  Hier am leise plätschernden Kargha See, mitten im Gebiet des strengen Kommandanten  Mullah Esat scheinen  uns für Stunden die Probleme dieser Welt ganz weit weg.

 „Kommt Ihr am Freitag mit in mein Pandschir-Tal?“  fragt uns der Pandschabi Mr. Saband. Seinen Kopf schützt eine runde Pandschabi- Filzmütze. Über dem langen Leinen-Hemd und den Pluderhosen trägt er ein westliches Jackett, in dem ein mobiles Telefon steckt. Er ist der Hausangestellte unseres  treuen afghanischen Außenamts-Beamten und scheinbar ein  gefragter Mann. Sein Telefon klingelt unaufhörlich, als wir Kabul in Richtung Kundus verlassen. Rund 200 Kilometer sind es bis zum heutigen Ziel.  

Hoch über der Straße ein  Banner: „Unsere Polizei ist der Lichtblick der Stadt“, liest mein Mann vor und freut sich. Ist es doch eine Anerkennung seiner Arbeit als Deutscher Sonderbotschafter.   Seine Aufgabe war es, die internationale Unterstützung für den Aufbau einer neuen afghanischen Polizei richtig einzusetzen. Denn Grenz-, Verkehrs-, Kriminalpolizei  kosten den afghanischen  Innenminister gar nichts.  Sie werden einzig und allein  von ausländischen Steuerzahlern finanziert und ausgebildet, allen voran Deutschland. Doch nur 40 deutsche Polizisten mit Englischkenntnissen waren freiwillig bereit,  am Hindukusch  Polizei-Offiziere auszubilden.  Zu wenig! Also hat die deutsche Regierung ihre  Ausbildungsverpflichtung in europäische Verantwortung übergeben, an die neue Mission EUPOL-Afghanistan, auf mehr Freiwillige Ausbilder hoffend.   Über „zu wenig“ wird auch bei der Entlohnung geklagt. 70 Dollar Lohn  (für jeden der  62.000 Polizisten im ganzen Land)  monatlich für einen riskanten Job: Selbstmordattentäter hatten am 17. Juni 2007  eine Bombe in einen Polizeibus geworfen – 35 Opfer. Im selben Monat  hatten US-Soldaten bei einem ihrer Anti-Terror-Einsätze in Nangarhar versehentlich sieben afghanische Polizisten  erschossen. Riskant und wenig bezahlt. „Die Taliban bieten mir 250 Dollar  monatlich, ich habe eine große Familie, allein  ein Sack Reis kostet mich 60 Dollar. Das zwingt mich meinen Polizisten-Lohn  irgendwie  aufzubessern,“ erklärt uns ein  Verkehrspolizist  aus der Provinzhauptstadt Charikar.

Noch lange bevor wir Charikar erreicht hatten, kamen wir durch grauenvoll zerstörte Dörfer.  Den Menschen blieb nur die Flucht:  Sechs Millionen nach Pakistan;  zwei Millionen in den Iran.  Wem die Flucht nicht gelungen war,  wurde Opfer der machthungrigen Stammesführer,  die sich von den gegenüberliegenden Gipfeln – nachdem die Russen besiegt waren -  bombardierten und dabei die gesamte dichtbesiedelte Kabuler Hochebene in Schutt und Asche legten. Afghanen gegen Afghanen. Einer von ihnen war der „Löwe des Pandschir-Tals“, General Massoud.  Sein Beiname resultiert aus der erbitterten Verteidigung seines schönen Pandschir-Tals gegen russische Eindringlinge und später auch gegen die paschtunischen Taliban.

Welch ein Zauber über diesem fruchtbaren Tal! Verständlich, dass es einst zum „Hippie-trail“ gehörte. Hierher kamen Jugendliche aus dem Westen wegen der grandiosen Natur, wegen des wilden Lebensstils und wegen des besten Haschischs der Welt. Sie wurden zu Kolonialisten  - auch zu Geldbringern, aber zu würdelosen.  Erst die Invasion der Sowjetunion 1979 beendete diese Art des touristischen Treibens. Doch  Afghanistans wichtigste Einnahmequelle versiegte. Einsam donnert heute der unbändige Pandschir-Fluss durch die hochaufragenden Felswände. Märtyrergräber,  mit grünen Fahnen geschmückt, säumen unseren Weg.

An den unwahrscheinlichsten Stellen, sogar mitten im klaren Wasser des Flusses,  liegen ausgebrannte Panzer. Manch  ausgebombtes  Militärfahrzeug dient jetzt als Kiosk. Ein einzelner Bauer geht vor einem Pflug her. Mitten auf seinem Acker liegt ein verrosteter Panzer. Er bewegt sich vorsichtig um das Wrack herum. Am Straßenrand laufen Kinder mit Brennholz und Frauen mit Wassereimern. Sie meiden die Gräben, in denen noch Minen liegen könnten. Im und am  Fluss gehen  die modernen afghanischen Familienväter ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: Sie waschen sorglos ihr Auto. Wieder spüre ich  diesen Hauch der Normalität.  

Unser Mitfahrer, der Pandschabi Mr. Saband, ist in diesem Tal zu Hause. Bevor er uns in sein Haus einlädt, führt er uns feierlich  auf eine Anhöhe zum Grabmal von General Massoud, dem Held der Tadschiken.  Er zeigt es uns wie ein Heiligtum: „Fremde Eroberer haben gegen uns  keine Chance. Wir haben sie bisher  alle besiegt.“ Dieser Satz verfolgt mich lange. 55 verschiedene und stolze Ethnien beherrschen Afghanistan.  Wo ist der Faden, der aus diesem Macht- Labyrinth herausführt? Wer kann der jetzigen Regierung das Gewaltmonopol sichern? Fremde Truppen etwa?  

Das Haus seiner Familie liegt hoch am Hang und verbreitet  Ferienstimmung. Nach der steinigen Kletterpartie sind wir froh, auf den bunten Kissen des Salons ausruhen zu dürfen. Frische Bergluft weht durch die weißen Spitzengardinen.  „Alles war bis auf die Grundmauern zerstört“, berichtet der Hausherr. Die Großfamilie ist versammelt: Brüder, Neffen -  sogar die Hausfrau – unverschleiert - erscheint:  „Bis vor einem Jahr  war unsere gesamte Familie mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Das war auch gut so, denn das lenkte uns ein wenig von unserem Kummer ab: Unsere beiden Söhne sind für General Massoud gestorben“. Beim Namen Massoud liegt ein gewisser Stolz in ihrer Stimme.  Aufrecht steht sie mitten im Raum und beginnt über die ungerechten, radikalen Taliban-Jahre zu klagen.  Dann  breitet sie eine Plastikfolie  über den Perser, schleppt Tabletts mit Reis, Fleisch, Gemüse, Salat, Brot und sogar Coca Cola herbei.  Aus einer Ecke  dudelt  ein Fernseher ein indisches Musik- und Tanzprogramm -  das gehört  wohl zum modernen afghanischen Leben.

Unsere Gastgeber werden gleich bei einer Hochzeit erwartet. Wir könnten gern mitkommen. Da wir vor Einbruch der Dunkelheit zurück in Kabul sein wollen, müssen wir das gastfreundliche Angebot ablehnen. Dann verabschieden wir uns, lassen  sie  mit ihrer Erinnerung an  Zeiten von Invasionen und Einmischungen allein.

Hoffnung liegt gleich am Kabuler Stadtrand, den wir abends von Norden her erreichen. Neuerrichtete  glitzernde „Hochzeits-Paläste“ bieten – Frauen und Männer in getrennten Sälen -  Platz fürs Feiern.  Ebenso wurden Trauerhäuser errichtet, wo Trauernde – Frauen und Männer getrennt – Kondolenzgäste bewirten können,  wenn ihr eigener Wohnraum zu klein ist.

Zu klein ist es fast überall im Nachkriegs-Kabul. Die Rückkehrer aus den Flüchtlingslagern in Pakistan und Iran finden kaum eine Unterkunft.  Aus Not wurden rostige Container in Wohnungen oder Läden umfunktioniert. Aus ihnen werden Trauben, Melonen, Kartoffeln,  Zwiebeln, kleine Bananen, Walnüsse oder blutende Schlachter-Ware feilgeboten.

Kabul ist also kein perspektivloser Flecken. Nicht nur Zerstörung und Leid  bestimmen seine Architektur: Da erstreckt sich zum Beispiel gleich neben dem „Landmark“-Hotel  ein glanzvolles Einkaufszentrum aus Marmor, Glas und eleganten Treppen. Angeboten werden elektronische Geräte und regionale Mode.
Wieder umweht mich ein Hauch von Normalität.

Unsere eigene bescheidene Herberge steht an einer der belebten Verkehrsadern  Kabuls.  Morgens um Sieben erreiche ich - nach lebensbedrohlicher Querung - die Backstube gegenüber. Ampeln oder Zebrastreifen? Gibt es noch nicht. Durch den Schleier der Abgase steigt mir der Duft des  frischen Brotes  in die Nase. Acht Bäcker hocken teigknetend Tag und Nacht wie Zarathustras Söhne über einem Feuerloch. Ich blicke in den heißen Abgrund und sehe Brotfladen. Auf einer Stein-Empore in dieser niedrigen Hütte scheinen  sich die Bäcker abwechselnd  auszuruhen.  Ihre Hemden sind  fadenscheinig, Ihr Lachen ist überzeugend.

Hat diese Szene auch etwas Pittoreskes,  täuscht sie doch nicht darüber hinweg, dass es zurück zur „Schweiz Asiens“, wie das Land vor 80 Jahren von König Aman Ullah  genannt wurde, noch ein langer, heißer Weg sein könnte.

Sonntag, 1. Juli 2007

Minen im Zaubertal


Hartmut Blankenstein ist Deutscher Sonderbotschafter für die Polizeireform. Auf Reisen spüren er und seine Frau der Normalität des kriegsbedrohten Alltags nach

Regnet es in Kabul, überspülen Plastiktüten, Aas und Dreck die Gassen. Abwasser- und Abfallentsorgungen
verlaufen offen am Wegesrand. Dann haben es die alten Männer in ihren Sandalen schwer, wenn sie sich mit hoch beladenen Obstkarren in Richtung Markt abmühen. Immer wieder versinken sie in den schlammigen Fahrrillen. Rillen, die auch unser Geländewagen zieht, mit dem wir ins 30 Kilometer entfernte Bergdorf Paghman wollen. Am Steuer der afghanische Fahrer, Mohammed Nasir. Als landeskundiger Begleiter der Pandschabi Mr. Saband vom afghanischen Außenministerium. Wir fahren unbewaffnet und hoffen auf den guten deutschen Ruf in dieser Gegend, auch auf unsere Unauffälligkeit. Jedenfalls unterscheiden wir uns sehr
von der Isaf (International Security Assistance Force in Afghanistan), jenen Spähtrupps, die Autorität und Aktivitäten der legitimen afghanischen Regierung absichern sollen. Sie hocken hoch oben auf tarnfarbenen Schützenpanzerwagen hinter Maschinengewehren und versuchen wild gestikulierend, den chaotischen Kabuler
Verkehr auf Abstand zu halten. Das gelingt meistens nicht. Es kam vor, dass sich bei diesen Patrouillen ein nervöser Schuss gelöst hat. Jetzt muss die Bevölkerung – vier von fünf können nicht lesen – rote Warnschilder an den Militärfahrzeugen beachten: „30 Meter Abstand halten!“ Und das in einer pulsierenden Millionenstadt,
die am Verkehrschaos zu ersticken droht, weil ihre Hauptadern durch die monströsen Beton- und Sandsackbarrikaden rücksichtslos durchtrennt sind: zum Schutz des Isaf-Hauptquartiers, der weitläufigen Anwesen von USAid, der CIA sowie der Botschaft der USA und des Präsidentenpalastes. Endlich erreichen wir die Ausfallstraße nach Westen. Ernst und aufmerksam stehen Kinder am Straßenrand und wollen Tomaten verkaufen. Ihre abgemagerten Körper bedecken Pyjamas, ähnlich der alten Taliban-wangskleidung, oder verschlissene Hosen, nur von einer Schnur gehalten. Wir blicken in Kindergesichter mit tiefen Falten um den Mund und Tränensäcken unter den Augen, und dann kaufen wir Tomatenmengen, die bis zum Jahresende reichen. Sie bedanken sich überschwänglich.

Aufs Gebirge zu. „Wir durchqueren jetzt zwei Stammesgebiete“, erklärt unser afghanischer außenamtsbeamter. „Deren Kommandanten, Abu Sayaf und Mullah Esat, sind zwar Nachbarn, aber keine Freunde. Auch im Jahr des Herrn 2007 und im Jahr des Propheten 1386 bekriegen sie sich, jetzt vorwiegend
mit politischen Mitteln. Es geht immer um Macht, nicht um Frieden.“ Komplexe, die für uns nicht durchschaubar sind. Erkennbar sind plötzlich zwei quer stehende Pkws. Versperren die etwa unseren Weg? Wir nähern uns vorsichtig. Die Behinderung löst sich zwar auf, aber die Autos nehmen uns in die Zange: Ein
Wagen fährt vor, der andere verfolgt uns. In jedem erkennen wir vier finstere Gestalten in Militärklamotten, Kalaschnikows zwischen den Knien. Leise äußert sich Furcht: „Das war’s dann wohl . . .“ Entführung hier und jetzt? Und dann noch selbst verschuldet? Nach der Entführung dreier Deutscher und dem Tod dreier deutscher Polizisten dürfen sich Botschaftsmitarbeiter, auch Militärs, nur unter Einhaltung strengster Sicherheitsregeln aus ihren Festungen herauswagen.

Wir haben das ignoriert. „Die Menschen sehen in dieser Gegend alle so aus“, sagt der Freund aufmunternd. Misstrauisch beobachten wir unsere Eskorte. Die parkt in Paghman vor einem Tor. Wollten diese
acht Afghanen wirklich nur bei der Verwandtschaft Tee trinken – bewaffnet? Sollte uns bei der allgemeinen aufgeregten Fokussierung auf Afghanistan jegliches Augenmaß verloren gegangen sein? Sieben Jahre hatten die Russen versucht, Paghman, das Paradies Afghanistans, einzunehmen. Während der Fahrer den geländegängigen Wagen weiter hinauf in die Berge quält, schwärmt unser Begleiter: „Diese Gegend war voller blühender Gärten und fruchtbarer Felder. Die exquisite Sommerfrische der Hauptstädter.“ Meine Furcht löst sich in Staunen auf: Wir hören einen rauschenden Bach, das Geklapper von Teegeschirr, schnuppern Bergluft vermischt mit gegrilltem Kebab und sehen ringsherum Männer, die anstelle von Waffen dicke Lavendelsträuße
tragen. Unter schattigen Bäumen liegen Teppiche und Polster, die zum Verweilen einladen.

Doch weiter zum Kargha-Stausee. Wieder erreichen wir ein ehemals stark umkämpftes Gebiet, geschundenes Land – in einen Golfplatz verwandelt. Seine Greens bestehen aus ölgetränktem Sand, während der gesamte Platz ein Gemisch aus Gestrüpp und Geröll ist, aber, wie uns versichert wird, von Minen geräumt. Also wagen wir einige Abschläge und schauen uns im Golf-Club um. Wir spüren einen Hauch von Normalität, der unserem Afghanistan-Bild aus einem Gebirge von Gefahr und Trostlosigkeit nicht ganz entspricht.

Es dämmert; immer noch fahren über den riesigen See Motor- und Tretboote gemächlich dahin. Manche Männer baden oder angeln. Keine Sandsackbarrikade wie in Kabul versperrt den Blick. Als wir zu frischem Kebab und duftendem Fladenbrot eingeladen werden, stellt der Kellner eine schwarze Plastiktüte auf den Tisch. Wir packen drei Dosen aus: Wieder so eine Fata Morgana in einem islamischen, alkoholfreien Land: echtes Heineken-Bier! Hier am leise plätschernden Kargha-See, mitten im Gebiet des strengen Kommandanten Mullah Esat, scheinen uns alle Probleme ganz weit weg. Ein neuer Tag, ein neues Ziel. „Kommt ihr mit in mein Pandschir-Tal?“, fragt Mr. Saband. Seinen Kopf schützt eine runde Pandschabi-Filzmütze. Über Leinenhemd und Pluderhosen trägt er ein westliches Jackett, in dem ein Mobiltelefon steckt, das unaufhörlich klingelt, als wir Kabul in Richtung Kundus verlassen. Über der Straße ein Banner: „Unsere
Polizei ist der Lichtblick der Stadt!“ Noch lange bevor wir die bunte und malerische Provinzhauptstadt Charikar erreichen, kommen wir durch grauenvoll zerstörte Dörfer. Den Menschen blieb nur die Flucht: sechs Millionen nach Pakistan, zwei Millionen in den Iran. Wem die Flucht nicht gelungen war, der wurde Opfer der machthungrigen Stammesführer, die sich von den gegenüberliegenden Gipfeln bombardierten und die dicht besiedelte Kabuler Hochebene in Schutt und Asche legten, nachdem die Russen besiegt waren. Afghanen gegen Afghanen. Einer von ihnen war der „Löwe des Pandschir-Tals“, General Massoud. Sein Beiname resultiert aus der erbitterten Verteidigung seines schönen Pandschir- Tals gegen russische Eindringlinge und
später gegen die paschtunischen Taliban. Welch Zauber über diesem fruchtbaren Tal! Verständlich, dass es einst zum „Hippie-Trail“ gehörte. Hierher kamen Jugendliche aus dem Westen wegen der grandiosen Natur, des wilden Lebensstils und des besten Haschisch der Welt. Sie wurden zu Kolonialisten, auch zu Geldbringern, aber zu würdelosen. Erst die Invasion der Sowjetunion 1979 beendete diese Art des touristischen Treibens. Doch Afghanistans wichtigste Einnahmequelle versiegte.

Einsam donnert heute der unbändige Pandschir-Fluss durch die hoch aufragenden Felswände. Märtyrergräber, mit grünen Fahnen geschmückt, am Wege. Überall, sogar mitten im klaren Flusswasser, liegen ausgebrannte Panzer. Manch ausgebombtes Militärfahrzeug dient als Kiosk. Ein Bauer geht hinter seinem Pflug her. Mitten auf seinem Acker ein verrosteter Panzer. Der Bauer pflügt vorsichtig um das Wrack herum. Am Straßenrand laufen Kinder mit Brennholz und Frauen mit Wassereimern. Sie meiden die Gräben, in denen noch Minen liegen könnten. Im und am Fluss gehen die modernen afghanischen Familienväter ihrer
Lieblingsbeschäftigung nach: Sie waschen sorglos ihr Auto.

Mr. Saband ist in diesem Tal zu Hause. Bevor er uns in sein Haus einlädt, führt er uns feierlich auf eine Anhöhe zum Grabmal von General Massoud, dem Helden der Tadschiken. Er führt es vor wie ein
Heiligtum: „Fremde Eroberer haben gegen uns keine Chance. Wir haben sie alle besiegt.“ 55 verschiedene stolze Ethnien beherrschen Afghanistan. Wo ist der Faden, der aus diesem Machtlabyrinth herausführt? Wer kann der jetzigen Regierung das Gewaltmonopol sichern? Fremd Truppen etwa?

Das Haus seiner Familie liegt hoch am Hang und verbreitet Ferienstimmung. Nach der steinigen Kletterpartie sind wir froh, auf den bunten Kissen des Salons ausruhen zu dürfen. Frische Bergluft weht durch die weißen
Spitzengardinen. „Alles war bis auf die Grundmauern zerstört“, berichtet der Hausherr. Die Großfamilie ist versammelt: Brüder, Neffen – sogar die Hausfrau, unverschleiert. „Bis vor einem Jahr war unsere gesamte Familie mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Das hat uns von unserem Kummer abgelenkt, denn unsere beiden Söhne sind für General Massoud gestorben.“ Beim Namen Massoud liegt ein gewisser Stolz in ihrer Stimme. Sie steht mitten im Raum und klagt über die ungerechten, radikalen Talibanjahre. Dann breitet sie eine Plastikfolie über den Perserteppich, schleppt Tabletts mit Reis, Fleisch, Gemüse, Salat, Brot und sogar Coca-Cola herbei. Aus einer Ecke dudelt ein Fernseher ein indisches Musik- und Tanzprogramm ab. Hoffnung liegt gleich am Kabuler Stadtrand. Neu errichtete glitzernde „Hochzeitspaläste“ bieten Platz zum Feiern, Frauen und Männer in getrennten Sälen. Ebenso wurden Trauerhäuser errichtet, wo Trauernde Kondolenzgäste
bewirten können, wenn ihr eigener Wohnraum zu klein ist.

Zu klein ist es fast überall im Nachkriegskabul. Die Rückkehrer aus den Flüchtlingslagern in Pakistan und im Iran finden kaum eine Unterkunft. Aus Not wurden rostige Container in Wohnungen oder Läden umfunktioniert. Daraus werden Trauben, Melonen, Kartoffeln, Zwiebeln, kleine Bananen, Walnüsse oder blutige Schlachterware feilgeboten. Kabul ist also kein perspektivloser Flecken. Nicht nur Zerstörung und Leid bestimmen seine Architektur: Da erstreckt sich gleich neben dem „Landmark“-Hotel ein glanzvolles Einkaufszentrum aus Marmor, Glas und eleganten Treppen. Angeboten werden elektronische Geräte und regionale Mode. Unsere bescheidene Herberge steht an einer belebten Verkehrsader. Morgens um sieben schlage ich mich durch dichten Verkehr zur Backstube gegenüber. Ampeln oder Zebrastreifen? Gibt es noch nicht. Durch Abgasschleier steigt mir der Duft frischen Brotes in die Nase. Acht Bäcker hocken
teigknetend Tag und Nacht wie Zarathustras Söhne über einem Feuerloch. Über dem heißen Abgrund Brotfladen. Hat diese Szene auch etwas Pittoreskes, so täuscht sie nicht über eines hinweg: Zurück zur „Schweiz Asiens“, wie das Land vor 80 Jahren von König Aman - ullah genannt wurde, ist es noch ein langer,
heißer Weg.

Samstag, 19. Mai 2007

Buchrezension zu: „Partner, nicht Gegner – für eine andere Iran-Politik“


Kollektive Verirrung?

Buchrezension zu: „Partner, nicht Gegner – für eine andere Iran-Politik“
Ein Standpunkt von Christoph Bertram, herausgegeben von Roger de Weck,
Edition: Körber-Stiftung, 87 Seiten, 10,-- Euro, erschienen am 19. 5. 08
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Manchen Büchern wünscht man sich, sie mögen die Mächtigen dieser Welt erleuchten,  doch wahrscheinlich wird dieser kleine Band nur eine heftige Kontroverse hervorrufen.
Seit US-Präsident Bush Iran zur „Achse des Bösen“ zählt, haben sich die westlichen Medien bequem auf der Verteufelungs-Schiene eingerichtet: „Wenn der Iran nicht einlenkt, gibt es unweigerlich Krieg“ schrieb sogar DIE ZEIT  in ihrer Ausgabe 35/2006.

Christoph Bertram, bis 2005 Direktor der SWP (Stiftung Wissenschaft und Politik),  auch  bekannt als ZEIT-Autor, überraschte gestern in der  Europäischen Akademie Berlin-Grunewald durch andere Aspekte, die er in seinem nüchternen Essay  zusammenfasste:  

Anstelle von Regime-Verteufelung müsste Anerkennung dieses wichtigen Landes stehen, statt Konfrontation das Angebot zur Zusammenarbeit, statt Beschuldigung und Sanktionen der Dialog, statt Vorbedingungen Verhandlungen. Der Westen verfolge zur Zeit eine Iran-Politik, die keine sei, der offenbar eine kollektive Verirrung zugrunde liege.  Gegnerschaft durch Partnerschaft zu ersetzen und das riesige Sanktions-Paket von 1979 endlich aufzuschnüren, hält Bertram für die besseren Ideen.  

Die israelischen Freunde, die sich durch Präsident Achmadinedschads Äusserung vom Verschwinden  Israels „aus den Annalen der Geschichte“ besonders bedroht fühlten, munterte Bertram zu mehr Gelassenheit auf. Er verwies auf das Jahr 1958, als der UdSSR-Machthaber Chruschtschow mit der „sowjetischen Weltrevolution“ drohte und dem Westen zurief: „Wir werden Euch alle beerdigen“. Solchen  Übertreibungen – so Bertram – könne man nur mit de Gaulles „Détente, Entente et Coopération“ erfolgreich begegnen. Der Verlauf der jüngsten Geschichte hätte de Gaulle recht gegeben.

Für viele im Westen würde eine derart nüchterne Haltung dem Iran gegenüber einer Kapitulation gleichkommen, zumindest einer unverdienten einseitigen Vorleistung.

Der Autor erinnert demgegenüber an die Vorleistungen der damaligen Regierung des Iran, die im Jahr 2003 bereit war, Israel als Staat anzuerkennen, Hamas und Hisbollah nicht mehr zu unterstützen, allen IAEA-Inspekteuren Zutritt zu gewähren, und lediglich ihr (ziviles) Nuklear-Programm fortsetzen wollte. Das militärische Programm sollte eingestellt werden.  Die Bush-Regierung fegte dieses Schreiben, damals übermittelt durch die Botschaft der Schweiz, vom Tisch. Obwohl der Iran vor fünf  Jahren zu fast allem bereit gewesen sei, habe er dafür keine Gegenleistung aus dem Westen erhalten, nicht einmal Respekt.  

So habe die gesamte westliche Iran-Strategie bis heute allseits nur negative Resultate, dagegen sei der Einfluss des Iran in der Region gewachsen.

Während  aus Teheran schallende Selbstbehauptungstöne zu hören sind und der Westen dröhnendes Kriegsgebaren zeigt, argumentiert Christoph Bertram nicht mit der Pauke, sondern kommt differenziert der Wahrheit näher als die meisten anderen  Analysten. Bertram sollte ernst genommen werden.

Heidemarie Blankenstein
Berlin, 19. 5. 2008

Samstag, 17. September 2005

Joy – the Strongest Pen: Schiller


„Brush up your Shakespeare....!“ This musical advice was recently given by H.E. the British Ambassador in Muscat, at a school graduation ceremony. No explanation was necessary.  Everybody in this school knew about the British dramatist William Shakespeare.  He passed away 389 years ago, but was never forgotten, and had an abundant influence on British behaviour.  

Although everyone under the sun appears equal, it seems that nations develop certain features according to their particular cultural authorities. 

While the British focussed on “his” Shakespeare by music, the German Ambassador uses to ring  an iron bell, when a speech is announced at his residence. That is the moment when most of the visitors  – at least the German visitors -  might remember their literary heritage “The Song of The Bell”,  the old and long ballad of their poet Friedrich Schiller.

Schiller? That’s the genius, which is familiar to us from school-times. His 516 lined poem “The Song of the Bell” (Die Glocke) tells us about human’s destiny from birth to the end – and every line in his accurate and  outdated language had to be memorized by heart. But not only Die Glocke is part of every German school curriculum, Schiller’s wide range of poetry and his literature production, which includes dramas like Wilhelm Tell, Jungfrau von Orleans, Braut von Messina, Maria Stuart, Wallensteins Lager, Don Carlos and several tragedies, are essential cornerstones of education in Germany. Schiller’s work formed the so called classical period of German history, a time, when art was higher estimated than business or science, when art was the air to breathe.

Schiller’s principles and thoughts seem to be common – not so his extremely precise and sentimental language. It is easy to qualify him as
dusty. All his highflying words like aesthetic, liberty, rationalism – all his trust in grace, dignity and culture of mankind seems to us now as a rustling roar of words, as empty general phrases.  But, how strange!
When we consider our modern mistrust about genetic -technology, about education, the quarrel about human rights, the discussion of the whole cerebral complexity, of biosphere programmes and environment standards – we realize, that all our problems have already been entirely mentioned in Friedrich Schiller’s written work.

Amazing for us, because he could not be determined as a poet of universal interest like his famous compatriot and neighbour Johann Wolfgang Goethe, who articulated every human phenomena. Schiller’s world was more limited. But surprising, how up to date Schiller was in his agitating questions.  Does our surprise have something to do with our lack of memory, respectively with our innocent authentication by which we try to follow his ideas of integrity, of ethic honesty?  

Schiller symbolizes the watch of virtues.  For his drama Don Carlos, he invented the passionate republican in the person of the Marquis de Posa, a defender of freedom of thought, speech and human rights.  
To defend the value of independence and to recognize at the same time its hidden violence, that is what makes this genius so specific. 

Schiller is regarded as the inventor of idealism.  In many aspects he could be considered as the most German of all the poets ever. His convictions demonstrated an independence, which – according to critics - is worth to be protected  - in particular nowadays.

Friedrich Schiller was born in 10th of November 1759 in the small town of Marburg at the river Neckar, into a family, which did not belong to the wealthy ones.

Only 46 years had been enough for him to achieve several careers: one as a medical doctor, another as a dramatist, and a lyric poet, a further as a historian. By all them he merited lots of  poet’s laurel, and also a honourable estate rank - and of course - as a classical author he acquired immortality.

He started to study law, later he switched to medicine. He practiced as a “Regimentsmedicus” in the town of Stuttgart, interested in the boundary-spheres of physiology, philosophy and psychology. Rather early Schiller became aware of the essential conflicts between sexual drive and spirit, between nature and freedom.

He started his first poetry work by  “Die Räuber”, (The Robbers) a drama of youngsters’ rage and impetus, which was first performed successfully in 1782 at Mannheim Theatre. To finance this five-hour-show the young Schiller had to take a loan. But from The Robbers onwards he became famous.  But before being prominent  he was - immediately after the robber-presentation - arrested and banned of writing.  Only some years later he got in contact with all the other big shots of intellectual Germany, as Goethe, Koerner, Herder, Wieland, Humboldt, Kant… From 1799 onwards he gained honour and wealth, through the triumphal performances of “Wilhelm Tell”, his drama of resistance movement.

All Schiller’s dramatic figures suffer from the world’s bad, but they try at the same time to raise a vision of a superior one.
Schiller’s sense of morality became a certain common value in Germany – his optimism of  a changeable world targeted directly to the heart of  the 20th  Century. Schiller died in Mai 1805 in the town of Weimar.
This year – 2005 – is the memory year of the German genius Friedrich Schiller. 200 years of his image, his work had left some remarkable traces. Many public occasions had been organized all over Germany in honour of this man, who first formulated the definition of a cultural nation.

And frankly admitted: Could it be that we do find an echo in our dreams of his youthful inspirations? “He use to grow from a far distance to close proximity, as soon as we get involved with him”, this experience had the contemporary author from Switzerland, Friedrich Dürrenmatt. And, it seems, that in 2005 Friedrich von Schiller will come rather close to us, this human being, “our” Schiller.

Not only Die Glocke, the bell, will ring on 3rd of October at the German residence-garden, but guests will listen to the Ode to Joy, an die Freude.  Ludwig von Beethoven’s Symphony Number Nine culminates with Schiller’s verses of the ideal human brotherhood “beggars become the brothers of princes”.  The Ode to Joy was adopted as Europe’s anthem by the Council of Europe in 1972, with an official arrangement for orchestra written by the famous conductor Herbert von Karajan.  Never a music composition had attained such a universal attraction and so many emotional feelings…from Berlin via Muscat to Delhi and Tokyo ….

Because the message of joy and of global brotherhood is actually driven badly to absurdity, Beethoven’s Symphony - together with Schiller’s words – sounds to us of great urgency, of enormous priority. 
None of Schiller’s dramas and poems – next to the “Glocke”  - had such a wide spread and prominent effect.

“Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
was die Mode streng geteilt,
alle Menschen werden Brüder,
wo dein sanfter Flügel weilt.
Seid umschlungen Millionen!
Diesen Kuss der ganzen Welt.
Brüder überm Sternenzelt
muss ein lieber Vater wohnen....

Freude heisst die starke Feder
in der ewigen Natur,
Freude, Freude treibt die Räder
in der grossen Weltenuhr...“

Freitag, 14. Januar 2005

Oman through Foreign Eyes: An Austere Appearance


First encounters with unknown countries result always in the same mystical experience: Hardly the asphalt of strange streets under our soles, we know if there will be - or there will not  be  – an inner dialogue between the new country and ourselves. From that moment on, when this emphatic relationship succeeds, we will feel the bodily atmosphere of the foreign place: we foresee if we could cooperate with this place in good and bad times. 
Although I have changed countries like a homeless gipsy, my first encounter used to be always emotional. In advance of this first encounter I did inform myself from old German travel books. Those explorers described the Sultanate of Oman as the hottest spot of the world: “The heat of Muscat was so  intense that my bone-marrow seemed to burn, the sword  in the scabbard melted and its gemstones were converted into coal”.

My first meeting with Oman was under far more privileged and cooler circumstances at air-conditioned Seeb Airport, an airport  which luckily does not look like a shimmering, showy glass-palace, but like an authentic Omani Fortress. My first sympathy developed here:
While waiting for the long procedure of passport-boarder-formalities suddenly two men, kind of princes, appeared in long white traditional outfits. They graciously offered sweet dates on a silver tray and coffee in tiny cups poured from a slim silver container with an oversized spout. Illustrations from “Thousands and one nights” legends came to my mind. Where did I disembark? For sure, not at a normal spot of our globe, but in the middle of a fairy tale, which is clothed in its history and houses, in its streets and scents?
Scented with intense perfume and fog of frankincense are the entrances of all  modern malls, but at the germ cell of Oman, the old Souq of  Mutrah, fragrances are the most intense in town.
It is my favourite place. As soon as I have time, I rummage around the small shops, the dukans. At that time all my senses: eyes, ears, nose, are open: I see  shop-holders sitting  in between their piled up  merchandise, knees under their bottom. If they feel tired, they sleep, if they feel thirsty, they drink coffee, if the voice of the Imam echoes through the Souq lanes, they go to pray. I hear the melodic Arab language and I can smell all the sweet bouquet of aromas.  In this surrounding I always get the tranquil impression of privacy, of a mystery-mongering and of  Omans particular aura. This aura should have developed in times, when the country  was the commercial turn-table between Africa, India and the Middle-East and when Oman came in focus of colonial and imperial interests.

Looking around, it seems to me that more than 50 % of the Omani population is under 20. A nation as young as Oman should be qualified for an effortless and radiant happiness. But these youngsters are different. I gained the impression of reserved, silent and hard studying persons, aware of their moderate nation building. Are  they  permanently preparing exams?

In 1980 His Majesty Sultan Quaboos bin Said promised to this youth a national university. Six years later  first boys and girls matriculated. Currently 12.000 students attend SQU and the campus continues to expand. In concordance to the distinct and ascetic architecture most students are dressed traditionally in black and white, which presents - - an austere appearance, mixed up with a certain inner silence of dignity and peace.  

Black and white, the two extremes of the colour spectre evoke strong contrasts. But the beloved colour of  H.M. must be blue, there is no doubt. Blue is the facade of his palace and blue-golden the columns, which look like giant high heels. Blue is the new Mosque next to his palace. Finally blue the sky and the ocean, almost every single day the year round.

Blue is - ahead of  all  - also the favourite colour of the normal sun hungry tourists. But fascinating for me as a pale  foreigner are the different sunburnt and lined faces of Oman. More than by these faces I am impressed by  the different nations living here side by side. I consider Oman as cosmopolitan. Omanis from Arabia und others from East-Africa, Indians, Pakistanis, Beluchis, Europeans, Filipinos, they all seem to live in one country, but always in their own faith and culture: Men from Oman wear their dishdasha, their wives the black abaya, Pakistanis are wearing trousers covered by a very long shirt, those men from India wear wide trousers, a normal shirt, while their ladies are recognized  by their saris with naked arms, shoulder and belly,  and none of the deeply veiled Omanis  seems to be disturbed.

Still after two years in Oman, I find myself in the reality of my own illusion of an oriental country. Famous German author Johann W. Goethe was filled with enthusiasm about Arabian countries, which resulted in his work: “West-East Divan”.  The magic from the Orient stimulated the Occident in travelling and writing. I feel part of this miraculous exchange. My certain inner dialogue did succeed. I started by a warm anticipation and was until now not disillusioned.

And once in future-times, if I have to leave, I will always  remember the austerity of the dark rocks, the straightforward architecture, decorated by broad bougainvillea bushes, tamarisk- and acacia trees, I will remember Omans great variety of significant faces  and  its temperate and dedicated youth.